Sonntag, 3. Juli 2016
Psychatrie
Nach langer Zeit komme ich nun dazu wieder etwas zu schreiben. Seit April habe ich mich auf direktem Weg über die Notaufnahme in die Psychiatrie einweisen lassen. Dieser Schritt war nicht einfach und ich hatte diese Horrorbilder im Kopf, wie schlimm es dort sein muss. Und genau das Gegenteil ist passiert. Ich habe liebe Menschen kennengelernt, die ich nicht missen möchte. 11 Wochen sind nun vergangen. Die Panik ist noch da. Mehrere Versuche mich auf Tabletten einzustellen, sind bis jetzt gescheitert. Manchmal habe ich das Gefühl aufgeben zu müssen. Bis jetzt war es mit die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich dachte wirklich zwischendurch, dass dies nun das Ende ist. Es hat sich auch noch herausgestellt, dass ich ein Prolaktinom im Kopf habe. Dies ist ein gutartiger Hirntumor, der auf die Hormone einwirkt. Dies hat mich wieder sehr aus der Bahn geworfen. Ich möchte jedem Mut machen, wenn es nicht mehr geht, diesen Schritt zu wagen. Dort gibt es Pflegekräfte die Kraft, Mut und Hoffnung geben. An den Wochenenden bin ich zu Hause. Es nennt sich dort Belastungstraining und mir bringt es sehr viel, nicht ganz abgeschottet von meinen Lieben zu sein.




Samstag, 9. April 2016
Horrortrip
Gestern war ein schlimmer Tag. Direkt beim Aufstehen wusste ich das wird heute nichts. Ich denke jeder der mit dieser Krankheit zu tun hat, weiss was ich meine. Der Tag begann mit schrecklicher Unruhe, die sich bis zum Mittag ins unermäßliche steigerte. Ich kam nicht mehr runter. Das Valium schlug gar nicht an. Ich habe alles versucht. Beim malen zitterten die Hände so stark, dass es kaum möglich war. Also ging ich raus, konnte aber kaum laufen, weil mir schwindelig war. Also wieder in die Wohnung. Telefoniert. Das lenkte mich ein wenig ab. Aber nach dem Auflegen fing alles wieder an. sitzen war unmöglich, dabei spürte ich mein Herzrasen zu sehr. Ich lief stundenlang in der Wohnung umher, wie ein gefangenes Tier. Immer wieder versuche zu malen, da mir das am meistens hilft. Irgendwann gegen abend wurde ich ruhiger. Ich wusste mein Freund kommt gleich und wenn ich etwas schlimmes habe ist er da. Bei mir zeigt sich die Depression in Vorstellungen wie umfallen oder an irgendeiner Krankheit zu leiden. Die Angst kann sich dann rapide steigern und ich komme kaum wieder runter und ich denke es hört nie wieder auf. Aber es hört auf. Irgendwann. Hätte ich gestern jemand zum fahren gehabt, hätte ich mich einweisen lassen. Aber so hat heute ein neuer Tag begonnen. Ich versuche es ruhig anzugehen, aber die Angst sitzt tief, wieder in diesen Abgrund zu geraten. Gleich geht es erst mal zum walken. Ich möchte nicht das die Angst wieder Gewinnt...




Freitag, 8. April 2016
Manchmal verstehe ich nicht, warum ich stundenlang ein Angstgefühl verspüre und dieses sich meist steigert und sich in einer Panikattacke entlädt. In diesen Momenten will ich nur das es aufhört und stelle dafür alle Möglichen Dinge an wie z.b. Beruhigungsmittel, malen, spazieren etc. Da ich zur Zeit bestimmt mehr als 10 Panikattacken am Tag erlebe, ist das sehr Kräftezehrend. Die Angst ist fast ständig da, und ich versuche die wenigen Momente des Klar Seins zu nutzen, darüber zu schreiben und nachzudenken. Woher kommt die Panik? Eigentlich ist es ganz einfach. Angst wird durch inneren Stress ausgelöst. Die Angst wiederum macht mir Angst und eine Panikattacke wird ausgelöst. Hinter der Panik kann sehr viel stecken z.b. Traurigkeit, Wut, Schuldgefühle, unverarbeiete Erlebnisse, druck von aussen. Je nachdem was für eine Kindheit wir erleben durften, hat man von Grund auf schon einen hohen Stresspegel. All dies sind Dinge die sich aufstauen und diesen noch erhöhen. Bei mir liegt die Schwierigkeit im verarbeiten dieser Dinge und des Verhaltens im Alltag. Mein Stresspegel ist ständig enorm groß. Wichtig ist das rauslassen und verarbeiten. Ausserdem muss man sein Verhalten lernen zu ändern. Ich weiß um die meisten Dinge die ich falsch angehe und doch ist es so schwer zu ändern. Achtsam mit sich selbst sein ist einer der wichtigsten Schritte. Ich hoffe das ich dies in der stationären Verhaltenstherapie lernen kann. Bis dahin versuche ich Sachen zu machen die mich beruhigen. Alles hört sich in der Theorie so einfach an. In der Praxis ist der Weg sehr schwer und steinig.






Reisefieber und die große Liebe

Ich kramte immer noch in meinem Schrank herum. Den Koffer schon einige Male wieder ein und ausgepackt. Ich war mir immer noch nicht sicher was ich einpacken sollte. Dies war mein erster Urlaub nach vielen Jahren. In ein paar Stunden würde ich in Tunesien sein, das heißt, falls der Koffer bis dahin endlich fertig war. Ich freute mich unbändig auf Sonne, Strand und Meer. Wo war denn nun der verflixte Bikini?!
Es klingelt. Ah das wird bestimmt die Nachbarin sein. Sie hatte sich bereit erklärt, sich um Post und Blumen zu kümmern und holt den Schlüssel ab. Ich drücke den Öffner. Die erste Frage: Wann wolltest du am Flughafen sein? Du hast noch ungefähr eine Stunde bis du los musst, und hier sieht es auch als ob du ausziehen willst. Ja ja so ist das mit meiner Ordnung.
Es klingelt wieder. Oh je meine Urlaubsbegleitung Kathrin ist schon da. Kathrin und ich kennen uns schon ewig. Wir sind zusammen zur Schule gegangen und haben viel miteinander gelacht und geweint. Wir sind immer für einander da, und da sie mich und mein Chaos kennt, kommt Sie mir nun zur Hilfe.
Eine Stunde später ist alles fix und fertig und wir fahren Richtung Flughafen. Ich bin total aufgeregt. Irgendwie gab es da doch einmal das Thema Flugangst. Oh je. Als wir endlich im Flieger sitzen Kralle ich mich an Kathrin fest. Aber nach einiger Zeit kann ich den Flug sogar genießen und wir sprechen über die Pläne die wir so für den Urlaub gemacht haben. Auf jeden Fall viel Sonne tanken, viel schwimmen und relaxen. Männer sind tabu. Wir sind beide frisch getrennt und wir wollen den Urlaub so richtig genießen.
Am Flughafen angekommen, herrscht großes Chaos. Ich komme mir vor wie auf einem Markt mit Marktschreiern. Na ja andere Länder andere Sitten. Aber ansonsten sind alle freundlich und wir werden mit einem Transfer Bus in unser Hotel gebracht. Die Zimmer sind schön eingerichtet und der Blick vom Balkon ein Traum. Wir haben ein Zimmer mit Meerblick gebucht, und wie sich herausstellt, war das eine gute Idee. Die Sonne glitzert im Meer und man sieht kleine Schaumkronen auf und ab wippen.
Wir ziehen uns sofort um und machen uns auf den Weg ans Meer. Der Weg dorthin führt durch einen schönen Blumengarten. Überall sieht man Katzen die sich faul im Schatten rekeln. Es ist wirklich wunderschön hier. Wir breiten unsere Handtücher am Strand aus und genießen die Atmosphäre. Ab und zu kommt ein Einheimischer vorbei und möchte uns etwas verkaufen. Das kann uns in unserer Stimmung aber überhaupt nicht stören. Als es Zeit fürs Essen ist, machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel. Als wir den Speisesaal betreten, bemerken wir die Augen der Einheimischen Angestellten die auf uns gerichtet sind. Dies haben wir auch schon am Strand gemerkt. Es gibt ein riesen Buffet und wir können gar nicht genug davon bekommen. Ein Kellner hat es wohl auf meine Freundin abgesehen. Er fragt sie gleich um ein Date für den Abend, was sie aber dankend ablehnt.
Nach dem Essen setzen wir uns in ein Cafe und überlegen was für den nächsten Tag anstehen könnte. Ein Termin mit der Reiseleitung ist für 19:00 Uhr angesetzt und dort können wir uns für eine Aktivität entscheiden.
Wir einigen uns darauf schnorcheln zu gehen, und Delphine zu schauen. Pünktlich um 19:00 Uhr stehen wir vor der Tür der Reiseleitung. Plötzlich steht ein Tunesier vor mir mit den dunkelsten und schönsten Augen , die ich je gesehen habe. In gutem Deutsch bittet er uns in den Raum und fragt uns, was das Anliegen für unseren Besuch ist. Ich bekomme keinen Ton heraus, kann ihn einfach nur anstarren. Ich komme mir schon total blöd vor, aber dieser Mann ist einfach faszinierend. Kathrin übernimmt das Wort und erklärt, dass wir am morgigen Tag gerne schnorcheln möchten und zur Anmeldung da sind. Er ist hoch erfreut und erklärt, dass er selbst diese Tour leitet und sich freue das wir dabei wären und grinst mich an.
Ich tat in dieser Nacht kaum ein Auge zu. Ich war so was von aufgeregt. Ständig hatte ich diese dunklen Augen mit diesem intensiven Blick vor mir. So stand ich am nächsten morgen total übermüdet am Reisebus. Aber die Freude ihn wieder zu sehen, war sehr groß. Und da kam er auch schon die Treppen herunter. Dieser Mann hatte einen Körper, dass ich nicht anfing zu sabbern war alles. Und dabei lautete die Devise, KEINE MÄNNER!! Kathrin schaute mich auch schon so komisch an und fragte ob es mir nicht gut ginge, da ich im Gesicht knallrot war. Und da saßen wir nun mit ca. 10 weiteren Hotelgästen im Bus und machten uns auf den Weg. Gespannt betrachtete ich die Landschaft. Es war alles eher kahl und steinig. Aber in diesem Moment wollte ich nirgendwo anders sitzen als in diesem Bus, mit diesem Mann, den ich kaum aus den Augen lassen konnte.
Nach ca. 1 Stunde hatten wir unser Ziel erreicht. Camel, so hieß der Adonis, erklärte uns unsere Ausrüstung. Mir kam es so vor, dass er sich mehr in meiner Nähe aufhielt und mich auffallend oft berührte. Jedesmal bekam ich eine Gänsehaut. Mir kamen Vorstellungen in den Kopf, die mich rot anlaufen ließen. Diesen Mann zu berühren, ihn schmecken, ihn riechen musste einfach der Himmel sein. So in meinen erotischen Gedanken versunken, stolperte ich über meine eigenen Schwimmflossen, direkt in den Sand. Oh man wie peinlich. Er war direkt da und half mir auf und fragte, ob alles in Ordnung ist. Dann flüsterte er mir ins Ohr: “Auf so hübsche Mädchen wie dich muss man aufpassen”. Mein Gefühlschaos war perfekt.
Es war ein wunderschöner Tag, und ich war richtig traurig als er zu Ende ging. Wir saßen im Bus auf dem Rückweg und nun endlich musste ich Kathrin beichten, was mit mir los ist. Sie lachte nur, und meinte: “Meinst du das ist mir nicht aufgefallen? Seit gestern Abend bist du ja gar nicht mehr richtig anwesend. Aber pass bitte auf, du weißt wie das ist mit deutschen Frauen und dieser Nationalität. Hier herrscht ein großes Business mit deutschen Frauen”. Ja das war mir bewusst, ich musste versuchen ihn aus dem Kopf zu bekommen. Ich hatte große Angst davor, an jemand zu geraten, der mich benutzt. Die letzte Trennung war auch noch zu frisch und die Wunden noch nicht ganz verheilt. Aber wie sollte das gehen? Schon bei dem Gedanken an diesen Mann, bekam ich ein feuchtes Höschen und so glücklich wie an dem heutigen Tag war ich schon lange nicht mehr.
Zurück im Hotel gönnten wir uns erst mal eine lange Dusche. Plötzlich ging das Hoteltelefon. Kathrin nahm ab, da ich gerade mit meinen Haaren beschäftigt war. Ich hörte sie reden und sie legte auf. Hm bestimmt nur jemand von der Rezeption. Als ich ins Zimmer kam, grinste sie über beide Ohren. Ich fragte was los sei! “Wir haben ein Date, gleich für heute Abend! Camel und ein Freund, der ebenfalls von der Reiseleitung ist, haben uns eingeladen uns die Stadt zu zeigen”. Mein Herz fing wie verrückt an zu klopfen. Er interessiert sich wirklich für mich und er hat sich die Mühe gemacht, unsere Telefonnummer herauszufinden. Jetzt ging das Chaos richtig los, was sollte ich anziehen, Haare zu oder offen, welche Schuhe….

Nach 1 Stunde war ich dann doch ziemlich zufrieden mit mir. Ich hatte ein T-Shirt und einen schwarzen Rock an und silberne Sandalen. Mein blondes offenes Haar, gab einen guten Kontrast dazu ab. Wir warteten vor dem Hotel, wo die beiden uns abholen wollten. Ich war so nervös. “Zappel doch nicht so rum Laura, sagte Kathrin, du machst mich ja ganz verrückt”. Aber ich konnte nicht anders. So ein Gefühl, wie für diesen Mann, den ich kaum kannte, hatte ich noch nie für jemand. Irgendwie wusste ich in diesem Moment schon, dass ich da nicht mehr so einfach rauskommen würde.
Wir spazierten durch die Stadt. Es war ein herrlicher Abend. Die Luft war warm und das knistern zwischen mir und Camel war deutlich zu spüren. Wir sahen uns die kleinen Souvenirläden an, als ich diese süße Kette mit dem Herzanhänger sah. Ich war total begeistert davon. Auf einmal nahm Camel sie mir ab und ging damit zur Kasse. Als er wieder kam sagte er “Eine schöne Kette für eine wunderschöne Frau”. Diesen Moment werde ich nie vergessen. Als wir weiter gingen, nahm er plötzlich meine Hand. Die Schmetterlinge flogen nur so umher in meinem Bauch. Ich war kribbelig, aufgekratzt und überglücklich. Wir kehrten in ein Cafe ein, aßen eine Kleinigkeit und redeten über alles mögliche. “Kommst du mit mir an den Strand” fragte er plötzlich. Wer konnte diesen Augen schon widerstehen. Ich sah Kathrin an, und sie nickte mir nur zu. So kam es das ich Hand in Hand mit ihm in Richtung Strand lief. Wir setzten uns in den warmen Sand und sahen uns den Sonnenuntergang an. Es war so romantisch. Er drehte mein Gesicht zu sich, und seine Lippen näherten sich meinen. Er hatte so weiche Lippen und ich hätte ihn stundenlang küssen können. Seine Hände glitten unter mein Shirt und streichelten meinen Rücken. Mein Verstand setzte komplett aus. Ich wollte ihn. Jetzt und in diesem Moment. Wir liebten uns, uns in diesem Moment gab es keine Bedenken mehr und es fühlte sich richtig an. Erschöpft liess er sich neben mir nieder und streichelte mir übers Gesicht und sagte: “Meine wunderschöne Frau!”
Wir verbrachten noch 5 schöne Tage miteinander, und dann wurde es für Kathrin und mich Zeit für die Rückreise. Kathrin hatte in dieser Zeit auch jemand kennengelernt und sich auf einen Flirt eingelassen, aber mehr war es nicht für Sie. Im Gegensatz zu mir. Ich war verliebt wie noch nie, und die Traurigkeit über den Rückflug, stand mir ins Gesicht geschrieben. Camel war auch sehr traurig. Wir wollten auf jeden Fall in Kontakt bleiben und ich so schnell wir möglich wieder zurückkommen zu meinem Traummann. Nun standen wir vor dem Flughafengebäude und mir liefen die Tränen nur so übers Gesicht. “Wir werden uns bald wieder sehen meine Hübsche” sagte Camel und nahm mich fest in den Arm. Wie gerne würde ich sofort hier bleiben. Aber ich hatte mein Leben in Deutschland. Eine Arbeit, eine Wohnung. Ich konnte nicht einfach hierbleiben und dies alles einfach zurücklassen. Wir gaben uns noch einen innigen Kuss und dann war es vorbei.
In Deutschland angekommen kam ich fix und fertig in meiner Wohnung an. Alles war mir fremd hier und ich wollte einfach nur wieder zurück. Ich machte meinen Laptop an und ging sofort auf Skype, aber Camel war nicht online. Ich packte meine Sachen aus, steckte alles in die Waschmaschine und als alles fertig war, kam ich mir ziemlich verloren vor. Ich lief von Zimmer zu Zimmer, setzte mich, stand wieder auf. Und dann endlich ein “Pling” Camel. Es war so schön ihn zu sehen. Wie gerne würde ich ihn jetzt in den Arm nehmen, einfach bei ihm sein. Wir waren soweit auseinander. In den nächsten Tagen schleppte ich mich durch den Alltag. Der einzige Lichtblick war abends das Skypen mit Camel. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass meine Tage ausblieben. Ich machte mir erst keine Gedanken. Vielleicht der innerliche Stress und sie kamen einfach später. Aber als nach 2 Wochen immer noch nichts kam, besorgte ich einen Schwangerschaftstest. Ich rief Kathrin an, und Sie kam sofort zu mir. Ich ging ins Bad, und nach einigen Sekunden kamen direkt 2 Striche. Schwanger! Ich war wirklich schwanger. Wir hatten doch verhütet? Obwohl einmal war das Kondom abgerutscht, aber ich war mir ziemlich sicher, dass da nichts passiert sein konnte. Ich lief weinend ins Wohnzimmer, wo Kathrin gespannt auf mich wartete. “Oh nein” sagte sie. Wir redeten stundenlang über das für und wieder. Aber eigentlich war ich mir schon gleich ziemlich sicher, dass eine Abtreibung für mich nicht in Frage kam. Ich brauchte einige Tage, bis ich es Camel endlich sagen konnte. Als der Moment dann da war, reagierte er überraschend positiv. “Meine wunderschöne Frau mit meinem wunderschönen Kind, wann kommst du hier her nach Tunesien für immer?” Für mich war diese Entscheidung sehr schwer. Ich bat ihn um Bedenkzeit. Ein Leben in Tunesien? Mit einem kleinen Kind? Ganz anderer Kultur? Andererseits ich liebte Camel. Ich sehnte mich so sehr nach ihm. Er war der Mann mit dem ich mir ein gemeinsames Leben vorstellen konnte. Ich entschied mich für Tunesien. Ich kündigte Wohnung und Job und 2 Monate später ging es los. Ich kam am Flughafen an und schaute mich suchend nach Camel um. Da war er! Wie freute ich mich ihn wiederzusehen. Aber er war nicht allein. Etwa 7 Personen standen um ihn rum und schauten mir entgegen. Auf einmal befand ich mich mitten drin und wurde gedrückt und geküsst und irgendwie überforderte mich die Situation total. Ich kannte solch ein offenes Verhalten nicht. Diese Menschen waren mir fremd und knutschten mich ab. Camel stellte Sie als seine Familie vor. Mutter Selma, Vater Said, seine 3 Schwestern Juna, Hayet und Alica und seine 2 Brüder Walid und Amin.
Als die Begrüssungszeremonie vorbei war, machten wir uns auf den Weg nach Camels zu Hause. Ich wusste bereits, dass alle zusammen in einem Haus wohnten, habe mir aber nie Gedanken darum gemacht, wie unser Leben dort aussehen würde. Als erstes wurde mir MEIN Zimmer gezeigt. Entsetzt sah ich Camel an. “So ist das bei uns. Solange wir nicht verheiratet sind, müssen wir in getrennten Zimmern schlafen”. Ich war enttäuscht, ließ es mir aber nicht anmerken. Ich war mit einem Tunesier zusammen, und musste mich den Gegebenheiten ein wenig anpassen. Der Abend wurde dann sehr schön, wir saßen alle zusammen beim Abendessen und Mutter Selma hatte ein riesiges reichhaltiges Buffet aufgetischt. Die Schwestern mussten helfen, während die Männer im Garten saßen. Alle waren sehr nett zu mir und ich kam mir überhaupt nicht fremd vor. Nach dem Abendessen gingen Camel und ich an den Strand, und ich war froh, ihn eine Zeitlang für mich allein zu haben. Wir liebten uns und er streichelte liebevoll meinen Bauch. “Unser Baby, ich bin so glücklich” sagte er.
Die nächsten Tagen wurden für mich ziemlich langweilig. Die Männer waren bis zum späten Nachmittag arbeiten, und ich wusste nicht so recht was ich mit mir anfangen sollte. Einen Tag war ich im Dorf und schaute mir die Gegend an. Ich hatte das Gefühl Mutter Selma gefiel das nicht. Sie schaute mich ganz komisch an, als ich ihr sagte was ich vorhabe. Aber ich musste raus. Mir fiel hier in diesem Haus, welches mir ganz fremd war, die Decke auf den Kopf. Am Abend bekam ich einen Streit mit. Ich hörte wie Camels Vater schimpfte und Camel beschwichtigend auf ihn einredete. Leider konnte ich die Sprache nicht verstehen. Ich sollte dringend einen Sprachkurs besuchen. Als ich später mir Camel raus ging um einen Spaziergang zu machen, merkte ich , dass irgendetwas nicht stimmt. Ich fragte ihn was los sei. “Mein Vater sagte mir, dass du heute alleine unterwegs warst”. “Ja warum denn nicht? Du bist den ganzen Tag nicht da, und ich weiß einfach nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll”, sagte ich. “Ich möchte dich bitten, nicht alleine rauszugehen! Das wird hier einfach nicht gerne gesehen. Außerdem solltest du dir ein paar Anziehsachen zulegen, die etwas bedeckter sind. Gleich morgen werden wir losgehen, um was schönes zu finden”. So kam es, dass wir unseren ersten schlimmen Streit bekamen. Ich kam mir vor wie im Mittelalter und das sagte ich ihm auch. Er wurde sehr wütend und schrie mich an: “Eine Frau sollte seinem Mann gehorchen, ich möchte nicht das du Schande über unsere Familie bringst”. Ich war tief erschrocken, so hatte ich ihn noch nie erlebt, und das erste mal zweifelte ich daran, ob ich den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Dann kam das Thema heiraten wieder auf. Er möchte keine unehrenhafte Frau an seiner Seite haben und das wir so schnell wie möglich heiraten sollten. Aber ich war mir einfach nicht Sicher, ob ich dazu bereit war.
Die Wochen vergingen, ich half viel im Haushalt mit, und ich begann das Schreiben. Gerne wäre ich zu einem Sprachkurs gegangen, aber Camel erlaubte es nicht. Und so saß ich fest in diesem Haus. Verstand die Sprache nicht und konnte nicht einmal mehr irgendwo hin, ohne das ich die Genehmigung von Camel bekam. Mein Bauch wuchs, mittlerweile war ich im 5. Monat. Die Arztpraxis die ich hier im Ort regelmäßig aufsuchte war wenig vertrauenswürdig, aber eine deutsche Klinik war in der näheren Umgebung nicht zu finden. Und dann kam es, dass ich sehr depressiv wurde. Ich kam morgens nicht mehr aus dem Bett. Ich fühlte mich wie gelähmt und hatte schreckliche Panikattacken. Niemand konnte mir helfen und niemand versuchte mich zu verstehen. Ich war ganz allein damit. Hätte ich mein Kind nicht im Bauch, ich hätte meinem Leben ein Ende gesetzt. Ich hielt noch einige Wochen durch und leidete still vor mich hin. Camel beteuerte mir immer seine Liebe, aber da er sich so hilflos fühlte, ließ er mich meistens in Ruhe. Und dann kam der Tag an dem ich nicht mehr konnte. Ich packte meine Sachen, fuhr zum Flughafen und nahm den nächsten Flug nach Deutschland.
In Deutschland angekommen, fuhr ich auf direktem Weg zu Kathrin. Als Sie mir die Tür öffnete brach weinend zusammen. Ich hatte ihn verlassen, und trotzdem liebte ich ihn immer noch wie am ersten Tag. Dieses Eingesperrt sein, diese Einsamkeit und diese so ganz andere Kultur, ich bin damit einfach nicht klar gekommen. Mein Baby dort großzuziehen, war ein erschreckender Gedanke für mich. Ich musste diesen Schritt gehen, um seelisch nicht zu zerbrechen.
Mittlerweile habe ich eine Therapie angefangen. Mit meiner Depression, kann ich nun besser umgehen. Und ich bin Mama geworden. Mama eines wunderschönen Babys Namens Yasmin. Mit Camel habe ich seit einigen Wochen wieder Kontakt per Skype. Wir haben sehr viel geschrieben. Er hat verstanden, warum ich gehen musste. Und ich habe verstanden, dass er unter einem sehr großen Druck seitens seiner Familie stand. Wir träumen davon, dass er herkommt und wir in Deutschland heiraten und eine richtige Familie werden. Wie es kommt wird die Zeit zeigen………